Chikungunya – Ein altbekannter Virus, neu inszeniert?
Der neue alte Angstgegner
In den letzten Wochen geistern alarmierende Schlagzeilen durch die Medien: Milliarden Menschen seien vom Chikungunya-Virus bedroht, warnt die WHO. Für viele klingt das nach der nächsten globalen Gesundheitskrise – und das nur wenige Jahre nach COVID-19. Doch Tropenmediziner Prof. DDr. Martin Haditsch hält diesen Alarmismus für maßlos übertrieben. In einem ausführlichen Gespräch mit Report24 bringt er seine Sicht auf den Virus, die WHO und die jüngst zugelassenen Impfstoffe auf den Punkt – und spart dabei nicht an Kritik.
Chikungunya – ein Virus mit Geschichte
Haditsch erinnert daran: Das Chikungunya-Virus ist kein neues Phänomen. Erstmals wurde es 1952 in Tansania beschrieben. Es gehört zur Familie der Alphaviren, wird durch Stechmücken übertragen und ist vor allem in tropischen und subtropischen Regionen verbreitet. Neu ist lediglich, dass sich die asiatische Tigermücke inzwischen auch in Teilen Europas etabliert hat.
„Es ist weder neu noch unkontrollierbar – aber es wird gerade so verkauft“, so Haditsch sinngemäß.
Die nüchternen Zahlen – keine globale Katastrophe
Laut Haditsch verlaufen 20 bis 40 Prozent der Infektionen völlig symptomlos.
Wenn Symptome auftreten, sind sie oft unangenehm, aber selten lebensbedrohlich:
- plötzlich einsetzendes Fieber
- starke, manchmal wochenlange Gelenkschmerzen
- gelegentlich Hautausschläge
Die Sterblichkeit liege nach seinen Angaben bei etwa 0,1 % – und betreffe fast ausschließlich Menschen mit schweren Vorerkrankungen.
Sein Fazit: „Wir reden hier nicht von Ebola und schon gar nicht von einer neuen Pandemie.“
WHO-Warnungen: Vorsorge oder „Fear-Porn“?
Besonders scharf kritisiert Haditsch die Kommunikationsstrategie der WHO. Wenn die Organisation davon spricht, dass „5,6 Milliarden Menschen gefährdet“ seien, klinge das dramatisch – verschweige aber, dass damit nur das potenzielle Vorkommen der Mücken gemeint ist, nicht eine tatsächliche Infektionsgefahr für jeden Einzelnen. Für Haditsch ist das „Fear-Porn“: eine Form der Angstmacherei, die politische und wirtschaftliche Interessen bedient. Er warnt davor, solche Panikmeldungen unkritisch zu übernehmen – und sieht darin eine gefährliche Parallele zur COVID-19-Kommunikation.
Impfstoffe in Rekordzeit – Grund zur Skepsis
Ein zentraler Kritikpunkt Haditschs sind die beiden neuen Impfstoffe gegen Chikungunya:
- „Vimkunya“ (Totimpfstoff)
- „Ixchiq“ (Lebendimpfstoff)
Beide seien in sehr kurzer Zeit zugelassen worden – aus seiner Sicht zu kurz, um verlässliche Langzeitdaten zu haben.
Haditsch bemängelt:
- Begrenzte Teilnehmerzahlen in den Zulassungsstudien
- Fehlende Daten zu speziellen Risikogruppen wie Schwangeren oder Menschen mit Immunschwäche
- Sicherheitsbedenken, die erst nach der Zulassung öffentlich diskutiert wurden
Für ihn ist das ein Paradebeispiel dafür, wie schnelle Zulassungsverfahren das Vertrauen der Bevölkerung untergraben können – gerade nach den Erfahrungen mit den COVID-19-Impfstoffen.
Keine Rechtfertigung für globale Alarmstufe
Auch wenn sich die Tigermücke in Europa ausbreitet, sieht Haditsch keinen Grund für eine globale Notlage.
Das Virus kann lokal Probleme verursachen, ja – aber:
- keine exponentielle, weltweite Ausbreitung wie bei COVID-19
- keine hohe Sterblichkeit
- keine zwingende Notwendigkeit für Massenimpfkampagnen
Sein Vorschlag: gezielte Aufklärung und Prävention in Risikogebieten, statt globale Angstkampagnen.
Kritik an der WHO – mehr als nur Medizin
Haditsch geht in seiner Kritik noch weiter:
Er sieht die WHO zunehmend als politisches Instrument, das mit internationalen Abkommen Kompetenzen erhält, die nationale Souveränität schwächen.
Er plädiert für alternative Strukturen – beispielsweise den World Council for Health – und fordert, dass Entscheidungen in der Gesundheitspolitik wieder stärker dezentral getroffen werden.
Fazit – Warum dieser Blick wichtig ist
Egal, ob man Haditsch in allen Punkten zustimmt oder nicht – seine Argumente sind ein wichtiger Beitrag zu einer Debatte, die zu oft nur in eine Richtung geführt wird.
Er erinnert daran:
- Risiko ehrlich kommunizieren
- Prävention ohne Panik
- Impfstoffe mit klaren Daten statt nur mit Tempo auf den Markt bringen
- Politische Interessen von medizinischen Fakten trennen
Gerade in einer Zeit, in der Vertrauen in Gesundheitsinstitutionen weltweit bröckelt, sind solche Stimmen wichtig – nicht um Ängste zu schüren, sondern um kritische Fragen zu stellen.
Schlussgedanke:
Der Chikungunya-Virus ist kein Grund für Weltuntergangsszenarien – aber auch kein Nicht-Thema. Die Kunst liegt darin, realistische Einschätzungen zu geben, ohne in Panik oder Gleichgültigkeit zu verfallen. Und genau hier hat Haditsch den Finger in eine Wunde gelegt, die nicht nur medizinisch, sondern auch politisch ist.



